Warum ich kein Angebot verschicke bevor wir gesprochen haben
Ich bekomme regelmäßig Anfragen, die ungefähr so klingen: „Kannst du mir kurz ein Angebot schicken? Für eine Website, fünf Seiten, mit Kontaktformular.“
Meine Antwort ist immer dieselbe: Gerne – aber erst nachdem wir kurz gesprochen haben.
Das klingt für manche ungewohnt. Manchmal auch nach einem Hindernis. Dabei ist es das Gegenteil.
Ein Angebot ohne Gespräch ist eine Zahl ohne Kontext
Eine Website für fünf Seiten kann 2.000 Euro kosten. Oder 15.000. Nicht weil jemand jemanden über den Tisch zieht, sondern weil „fünf Seiten“ nichts über den tatsächlichen Aufwand aussagt.
Was steckt dahinter? Gibt es ein bestehendes Branding, das weitergeführt werden soll – oder fangen wir bei null an? Wer schreibt die Texte? Welche Zielgruppe soll die Seite ansprechen, und was soll sie konkret auslösen? Das sind nur einige von vielen Fragen, die ich stelle – und die ich in einer Mail nicht stellen kann.
Wenn ich sie nicht stelle, schicke ich ein Angebot, das entweder zu hoch ist und erschreckt – oder zu niedrig ist und mich in ein Projekt zwingt, das keiner von uns so gewollt hat. Beides ist keine gute Basis.
Ich hinterfrage, was Sie wirklich brauchen
Und das geht manchmal tiefer, als die ursprüngliche Anfrage vermuten lässt.
Ich hatte Kunden, die Social Media Templates angefragt haben. Im Gespräch stellte sich heraus, dass kein konsistentes Branding dahinterstand – und Templates ohne Branding sind wie eine gut gestaltete Fassade ohne Fundament. Was wirklich gebraucht wurde, war ein Corporate Design, auf dessen Basis die Templates erst Sinn ergeben. Nur Social Media Templates zu gestalten, wäre rausgeworfenes Geld gewesen.
Ein anderer Kunde wünschte sich ein neues Feature für seine bestehende Website. Als ich mir die Seite angesehen hatte, war klar: technisch veraltet, gestalterisch nicht mehr zeitgemäß. Das Feature hätte man einbauen können – aber es hätte auf einer Seite gesessen, die sowieso bald neu gemacht werden müsste.
Ich hätte in beiden Fällen einfach tun können, was gewünscht wurde. Niemand hätte mich dafür kritisiert. Aber wenn ich sehe, dass ein anderer Weg mehr Sinn ergibt, sage ich das – direkt und ehrlich. Nicht um mehr Arbeit zu generieren, sondern weil es meine Aufgabe ist, mitzudenken.
Das Gespräch ist Teil meiner Arbeit
In einem 30-minütigen Erstgespräch passiert mehr als Informationsaustausch. Ich höre zu, wie jemand über sein Unternehmen spricht. Ich merke, ob jemand eine klare Vorstellung hat oder noch mitten im Prozess steckt. Ich erkenne, ob das Projekt zu mir passt – und ob ich zu dem Projekt passe.
Das ist keine Zeitverschwendung. Das ist der erste Schritt der eigentlichen Arbeit.
Wer mich als strategische Partnerin sucht, wird das verstehen. Wer ein schnelles Angebot zum Vergleichen braucht, findet anderswo, was er sucht – und das ist völlig in Ordnung.
Was danach passiert
Nach unserem Gespräch weiß ich genug, um ein Angebot zu schreiben, das wirklich passt. Keine versteckten Kosten, keine vagen Formulierungen, keine bösen Überraschungen. Ich weiß, was das Projekt braucht – und ich kann realistisch einschätzen, ob ich der richtige Mensch dafür bin.
Meistens bin ich es. Manchmal auch nicht. Aber das sage ich dann auch so.
Klingt das nach einem Ansatz, der zu Ihnen passt? Dann freue ich mich auf unser erstes Gespräch.